Stopp des Tarifvorschlages
Eine eingereichte Tarifstruktur ist ein Antrag, kein Beschluss. Der Vergleich mit dem ambulanten Arzttarif TARDOC zeigt, wie lange und wie ungewiss dieser letzte Schritt sein kann – und warum jetzt noch nichts entschieden ist.
Am 2. April 2026 haben die Tarifpartner die neue Tarifstruktur für die Physiotherapie im KVG-Bereich beim Bundesrat eingereicht. Seither hält sich hartnäckig ein Missverständnis: Viele gehen davon aus, damit sei die Sache entschieden – die neue Struktur, inklusive Zeittarif, komme so oder so. Das stimmt nicht. Erst wenn der Bundesrat die Struktur genehmigt, tritt sie tatsächlich in Kraft. Eine Einführung per 1. Januar 2027 ist ein Ziel der Tarifpartner, keine Garantie. Bis zum definitiven Entscheid gilt die heutige Struktur von 2018 unverändert weiter – es entsteht keine Lücke, sondern der heutige Zustand bleibt einfach bestehen.
Was der Blick auf TARDOC zeigt
Wie viel zwischen Einreichung und Genehmigung passieren kann, zeigt der Vergleich mit dem ambulanten Arzttarif TARDOC:
- Erste Einreichung: Juli 2019
- Danach: fünf grössere Überarbeitungen
- 2022: eine komplette Ablehnung durch den Bundesrat
- Definitive Genehmigung: erst im April 2025
Zwischen Einreichung und Genehmigung vergingen beim TARDOC also fast sechs Jahre. Während dieser gesamten Zeit blieb der bisherige Arzttarif TARMED einfach in Kraft – kein Vakuum, sondern schlicht der Status quo, bis der neue Tarif tatsächlich stand. Genau an diesem Punkt, zwischen Einreichung und Genehmigung, kann noch einiges passieren: Der Bundesrat kann Nachbesserungen verlangen, Fristen setzen – oder eine Version, wie beim TARDOC 2022 geschehen, auch ganz zurückweisen, wenn er Zweifel an der Datengrundlage oder am Modell hat.
Was das für die Physiotherapie bedeutet
Die Parallele liegt auf der Hand: Auch bei der Physio-Tarifstruktur ist die Einreichung erst der Anfang eines Verfahrens, dessen Ausgang offen ist. Solange der Bundesrat nicht definitiv entschieden hat, ist nichts in Stein gemeisselt. Genau hier setzt PROphysio an: Ein Verfahren lässt sich auch nach der Einreichung noch beeinflussen – mit fundierter Kritik und klarer Kommunikation der wirtschaftlichen Realität in den Praxen.
Wie sich PROphysio konkret einsetzt
PROphysio nutzt diese Phase des Verfahrens, um auf eine tragfähigere Lösung hinzuwirken:
- Aufzeigen, wo die Datengrundlage schwach ist – gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit.
- Aufzeigen, wo der Zeittarif in eine Sackgasse führt – mit den Folgen für Praxen und Versorgung.
- Kommunizieren, solange es braucht – damit die heutige, bessere Struktur so lange gilt, bis eine wirklich tragfähige Lösung gefunden ist.
Weshalb PROphysio die eingereichte Struktur inhaltlich kritisch beurteilt, erläutern wir auf der Seite Kritik am eingereichten Tarifvorschlag.