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Die grosse Physio-Umfrage

2'815 Physios, ein klares Bild: Die Freude am Beruf ist gross, die Rahmenbedingungen sind ungenügend. 71 % lehnen die neue Tarifstruktur ab, und eine Mehrheit wünscht sich einen neuen Branchenverband.

Im Juni 2026 hat das renommierte Schweizer Forschungsinstitut Sotomo eine breit angelegte Befragung unter Schweizer Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten durchgeführt. Über 10'000 Fachpersonen wurden über den Verein faire-physio-tarife per E-Mail eingeladen, weitere kamen über Weiterempfehlungen dazu. Nach Bereinigung der Daten flossen die Antworten von 2'815 Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in die Auswertung ein – innerhalb von nur fünf Tagen zwischen dem 25. und 30. Juni 2026.

Da die Teilnahme freiwillig war und nicht nach dem Zufallsprinzip erfolgte, ist die Umfrage nicht im statistischen Sinne repräsentativ. Angesichts der hohen Teilnehmerzahl zeichnet sie aber ein umfassendes und aussagekräftiges Stimmungsbild der Branche.


  Zum Bericht von Sotomo


Berufsalltag: Freude am Beruf, aber schwierige Rahmenbedingungen

Die grosse Mehrheit der Befragten übt ihren Beruf grundsätzlich gerne aus. Eingeschränkt wird diese Freude jedoch vor allem durch strukturelle Faktoren:

  • 88% nennen ungenügende finanzielle Rahmenbedingungen (zu tiefe Tarife bzw. Löhne) als Belastung
  • 69% fühlen sich politisch zu wenig wertgeschätzt
  • 49% klagen über hohen administrativen Aufwand
  • 47% über steigende Fixkosten (Praxismieten, Material, Energie)
  • 47% über zu viele PatientInnen pro Tag

Bezeichnend: 43% der Befragten haben in den letzten 12 Monaten ernsthaft einen Berufswechsel erwogen (Antworten «Ja» oder «Eher ja»).

Bei der Einkommenszufriedenheit ist das Bild gespalten: Nur rund ein Viertel ist damit zufrieden, während knapp die Hälfte unzufrieden ist mit dem Einkommen im Verhältnis zu Ausbildung, Verantwortung und Leistung.


Neue Tarifstruktur: hohe Bekanntheit, breite Ablehnung

Die im April 2026 eingereichte neue Tarifstruktur sieht einen Wechsel von Behandlungspauschalen zu einem Zeittarif vor – künftig soll im 5-Minuten-Takt abgerechnet werden.

  • 95% der Befragten kennen die neue Tarifstruktur bereits
  • 71% bewerten sie negativ ("eher negativ" oder "sehr negativ")
  • Nur eine kleine Minderheit sieht die Reform positiv

Bei den erwarteten finanziellen Folgen überwiegt die Sorge: Ein grosser Teil der Befragten rechnet mit Einnahmeausfällen statt -zuwachs für die eigene Praxis, ebenso erwarten viele einen negativen Effekt auf den persönlichen Lohn.

Auch bei der Behandlungsdauer erwartet eine Mehrheit eine Zunahme durch die neue 5-Minuten-Flexibilität. Gefragt, wie sie eine steigende Behandlungsdauer auffangen würden, sagen 67%: mit weniger PatientInnen pro Tag – nur eine Minderheit rechnet mit längeren Arbeitstagen oder einem höheren Pensum.

Bei den erwarteten Konsequenzen der Reform sehen viele Befragte eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für den Ausbau von Selbstzahler-Angeboten (Prävention, Fitness, MTT ohne Verordnung) sowie für eine Reduktion von Investitionen – während eine höhere Patientenzufriedenheit oder verbesserte Behandlungsqualität von den wenigsten als wahrscheinliche Folge erwartet wird.


Verbände: Kritik an Physioswiss, klarer Wunsch nach Alternative

60% der Befragten sind aktuell Mitglied bei Physioswiss. Unter den Nicht-Mitgliedern nennen die Befragten als häufigste Gründe:

  • 55% sehen nicht genügend Mehrwert
  • 41% fühlen sich von der Verbandsleitung nicht vertreten
  • 37% finden den Mitgliederbeitrag zu hoch
  • 36% sind mit der Tarifpolitik des Verbands nicht einverstanden

Auch die Führung von Physioswiss wird kritisch beurteilt, ebenso die Information zur neuen Tarifstruktur – jeweils bewertet eine Mehrheit diese als eher oder sehr schlecht bzw. negativ.

Entsprechend deutlich ist der Wunsch nach einer Alternative: Eine klare Mehrheit sieht Bedarf für einen neuen Branchenverband. Gefragt, was ein solcher Verband primär leisten müsste, damit sie Mitglied würden, nennen die Befragten (offene Frage, KI-klassifiziert, ca. 45% der Befragten):

  • 54% – Interessen durchsetzungsstark vertreten und für den Beruf kämpfen
  • 25% – Politische Vertretung, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit
  • 24% – Bessere und faire Tarife / höherer Taxpunktwert
  • 19% – Moderne, evidenzbasierte, qualitätsorientierte Physiotherapie
  • 18% – Faire Löhne, Arbeitsbedingungen und Wertschätzung


Fazit

Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten üben ihren Beruf grundsätzlich gerne aus – die grosse Unzufriedenheit richtet sich gegen die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen sowie gegen die neue Tarifstruktur, die von der überwiegenden Mehrheit abgelehnt wird. Gleichzeitig zeigt die Umfrage einen klaren Wunsch nach einer neuen, durchsetzungsstarken Interessenvertretung für die ambulante Physiotherapie – genau hier setzt PROphysio an.


  Zum Bericht von Sotomo