An der Live Session vom 14. September 2026 informierte PROphysio über den aktuellen Stand im Kampf um faire Physiotherapie-Tarife. Christa Markwalder, ehemalige Nationalratspräsidentin, wurde als neue Präsidentin ab 1. November vorgestellt.
Dr. Harry Telser vom Forschungsinstitut Polynomics präsentierte ein gesundheitsökonomisches Gutachten, das methodische Schwachstellen in der Datengrundlage des vorgeschlagenen Tarifs aufzeigt: Grosse Praxen sind in der zugrunde liegenden Studie unterrepräsentiert, was zu verzerrten, tendenziell zu hohen Durchschnittsbehandlungszeiten führt. Das Gutachten warnt zudem, dass der geplante Wechsel von einem Pauschal- zu einem Zeittarif falsche Anreize setzt: Längere statt effiziente Behandlungen werden belohnt, was zu weniger behandelten Patientinnen und Patienten, mehr Wartezeiten und einer möglichen Verschlechterung der Versorgung führen könnte.
Als Alternative stellte der Vorstand rund um Markus Angst und David Schmidt das hybride Tarifmodell von PROphysio vor, das Behandlungsepisoden, Leistungspauschalen und einen Zeittarif für besonders komplexe Fälle kombiniert und Qualität – gemessen an Zielerreichung statt reiner Behandlungsdauer – zur Abrechnungsvoraussetzung macht.
Wichtig für alle Mitglieder: Der Tarifzugang ist ab 2027 unabhängig von der Verbandsmitgliedschaft gesetzlich garantiert, und PROphysio übernimmt die entsprechenden Kosten für seine Mitglieder.
Der Verband zählt bereits über 1200 Mitglieder, davon über 80 % Selbstständige und kleine Praxen, und sammelte mit einer Petition über 7000 Unterschriften aus der Branche. In der anschliessenden Fragerunde wurden unter anderem Bedenken zu komplexeren Patientenfällen (z. B. in Pädiatrie, Psychiatrie oder bei Hausbesuchen) diskutiert, die im Modell durch den Zeittarif abgedeckt werden sollen.
Als nächste Schritte plant PROphysio, die Petition dem Bund zu überreichen, den politischen Dialog zu intensivieren und das Polynomics-Gutachten öffentlich zu machen.